Unsere Katze Nunusch

Nunusch kam zu uns, da war ich vier Jahre alt. Sie war weiß und hatte jede Menge Flecken in unterschiedlichen Farben auf dem Fell. Meine Schwester und ich hätten ja gerne das schwarze oder getigerte Kitten gehabt, meine Mutter beschloss aber der weißen Katzen mit den Flecken eine Chance zu geben. Tigerkatzen und einfarbige Katzen wolle schließlich jeder haben, diese Katze sei aber eine Glückskatze wegen der vielen Farben.

Nach Hause brachten wir diese neue Katze, die schließlich den Namen Nunusch bekam, auf dem Arm meiner Schwester, die ich darüber sehr beneidete. Aber sie saß noch in Kinderwagen (also war so einer zum sitzen, Bully?) und ich durfte schon laufen. Und so klammert sich meine dreijährige Schwester an das Kitten, das wir trotzdem heile nach Hause brachten :-)

Verschiedene Bilder unserer Katze Nunusch.

Dachkatze oder Dachhase?

Wir wohnten im dritten oder vierten Stockwerk eines Mehrfamilienhauses. Ob wir Balkon hatten, das weiß ich heute gar nicht mehr. Auslauf hatte unser neuer Mitbewohner aber dennoch, sie sprang immer wieder durch das Arbeitszimmerfenster (ein Fenster in der Dachschräge) aufs Dach und war dort stundenlang mit Beobachten (und auch Vögel jagen) beschäftigt. Anderen Katzen lief unsere Nunusch da zwar nicht über den Weg, dennoch fühlte sie sich wohl allen in allem ganz wohl. Vor allem, wenn man die Alternative bedenkt. In den 1970er Jahren konnte es noch gut passieren, dass mit nicht vermittelten Kitten irgendwann auch kurzer Prozess gemacht wurde.

Dachhasen wurden früher gegesssen - aber nicht bei uns

Ein Dachhase ist übrigens wirklich eine Katze. So wurden Katzen wohl nach dem Krieg genannt, da sie eben, wie der eine oder andere Hase eben, auch mal im Kochtopf landeten ... Aber an so was haben wir in den 1970er Jahren, auch wenn das Geld damals oftmals bei uns knapp war, nicht denken müssen.

Unsere Katze überlebt ihr einsames Dachleben und uns drei Kinder aber auch mit Bravour. Und sie wurde trotz der Tatsache, dass sie zum Beispiel auch ab und an ein paar Tropfen Büchsenmilch bekam und sich stetig Schokolade erbettelte immerhin fast 20 Jahre alt. Ich möchte gar nicht wissen, wie alt diese Katze ohne all diesen Katzensünden geworden wäre. Denn weder (gezuckerte) Büchsenmilch noch Schokolade ist wirklich etwas, was man einem Kätzchen eben geben sollte.

Nunusch wird eine Freigängerkatze

1977 zogen wir auch um. Aus unserer Wohnungskatze mit Dachauslauf wurde schlagartig eine Freigängerkatze. Was wir nicht so ganz auf dem Plan hatten war, dass sich unserer Kätzin dadurch auch ganz andere Möglichkeiten ergab. Zwei Mal hatte sie einen Wurf, dann wurde sie kastriert. Von jedem Wurf überlebte immer nur ein Kitten, dass wir aber jeweils mit Hand aufziehen mussten, da unsere Nunusch nicht genug Milch hatte. Leider war es mit der Mutterliebe wie bei so vielen Katzen nicht weit her und da unsere Nunusch zu lange alleine gelebt hatte, kam bei beiden Kitten irgendwann der Punkt, dass sie eben weggegeben werden mussten. Das eine Kätzchen hieß Schneeflöckchen, an den Namen der anderen kann ich mich kaum erinnern, ich glaube Flecki. Schneeflöckchen war rabenschwarz, hatte aber einen weißen Fleck auf der Brust.

Vögel und Mäuse standen auch auf ihrem Speiseplan - oder Spielplan?

Danach beschäftigte sich unsere Katze mehr mit aus dem Nest gefallenen Vögeln und Mäusen, als mit Katern :-) Meine Mutter war auch immer sehr begeistert, wenn sie einen solchen Vogel oder eine solche Maus unter irgendeinem Kinderbett wegmachen musste. Einmal dachten wir alle, der Vogel wäre tot, da sprang er auf und flatterte meiner Mutter ins Gesicht. Sie hat sich ziemlich erschreckt. Der Versuch den Vogel, unsere Katze hatte ihm einen Flügel gebrochen, zu retten, scheiterte dann auch leider.

Da unsere Katze diese kleinen Tiere wohl eher zum Spielen bzw. Ablegen und Verschenken jagte, war ich sogar irgendwann mal richtig überrascht, als mir jemand erzählte, dass Katzen Mäuse und Vögel eigentlich komplett fressen. Konnte ich mir nach den Erfahrungen mit unserer Katze so gar nicht vorstellen.

Katzen spielen mit ihrer Beute

Ein Freund erzählte mir später mal, dass ihre Katzen auch mit den gefangenen Mäusen spielten. Manchmal dürfe auch der Hund mitspielen. Aber der würde, das würden die Katzen so gar nicht mögen, die Maus beim dritten oder vierten Versuch diese zu fangen und weiterzuschieben entweder ausversehen frei lassen oder mit der Pfote drauf hauen und das Spielzeug kaputt machen.

Kletterkünstlerin auch ohne Kratzbaum

Ansonsten war unsere Katze, auch ohne Kratzbaum, eine wahre Kletterkünstlerin. Zumindest wenn es darum ging, irgendwo hochzuklettern. Leider haperte es oft genug mit dem wieder runter kommen und als ein paar Häuser weiter das Gebäude saniert wurde und wochenlang ein Baugerüst vor deren Fassade stand, musste ich doch ab und an dort hoch und unsere Katze runter holen (es ist echt nachteilig, wenn man die einzige in der Familie ist, die nicht nur gut auf Bäume klettern kann, sondern auch noch schwindelfrei ist). Die Katze dankte es übrigens mit ihren Krallen.

Schokolade war ihre Leibspeise

Zur Leibspeise unserer Katze gehörten neben Büchsenmilch leider auch noch Schokolade. Und sie war sehr heftig darin, ihren Anteil an einer Tafel einzufordern. Wenn ich mir selbst Schokolade gekauft habe, habe ich aus Verzweiflung irgendwann sogar Ritter Sport (sicherlich sehr lecker, mir sind aber bis heute die Stücken da einfach zu groß) gekauft. Denn da ist und war ja keine Alufolie drum. Wenn man die Rittersport Schokolade ganz vorsichtig unter einer Decke aufgemacht hatte, hatte man gute Chance 100 Gramm von 100 Gramm selber essen zu können. Und bevor jemand kommt, man hätte ja auch die Tür zumachen können, das hat unsere Katze vorab schon geahnt. Keine Chance. Heute weiß ich es besser. Schokolade ist weder für Katzen als noch Hunden ein gesundes Lebensmittel.

Unsere Katze konnte nicht alleine schlafen

Es gab auch eine Zeit, da herrschte tiefes Misstrauen zwischen mir und unserer Katze. Und so durfte sie nachts auch nicht in mein Zimmer. Ich hatte die irrwitzige Idee, dass sie mir nachts entweder die Augen auskratzen würde und nur auf ihre Gelegenheit lauere oder sich auf mein Gesicht legt, um mich zu ersticken. Ich glaube, ich war da in der Pubertät, da funktioniert das Gehirn ja nicht so richtig. Bei meiner Schwester durfte sie auch nicht schlafen, aber unser Bruder erbarmte sich dem Vierbeiner. Aber irgendwann durfte sie für ein oder zwei Wochen nicht zu ihm rein. Es war die Hölle. Unsere Katze hat kein Chaos verbreitet, sondern sie wurde zur Terror-Katze. Ich habe in der ersten Nacht zwei Stunden durchgehalten, in der Nacht darauf nur eine Stunde und dann habe sie sofort reingelassen und die Tage gezählt, bis ich auch wieder richtig schlafen dürfte. Denn ich hatte natürlich die Befürchtung, dass unsere Terrorkatze sich das Aussperren gemerkt hätte und auf nächtliche Rache sinnt :-) Ich sags ja, die Pubertät ist schrecklich. Ich habe aber die Tage dann doch überlebt - unbeschadet, mit beiden Augen.

Als unsere Katze starb, war ich schon ausgezogen von zu Hause. Ich war aber dennoch sehr traurig, denn auch wenn unsere Katze teilweise sehr seltsam war und für viel Chaos gesorgt hat, sie war eine wirklich süße Samtpfote, die das Leben von uns allen bereichert hat.

Ich und unsere Katze.

So, dass war mal ein wenig über das Leben unserer Katze. Es gäbe so viel mehr zu erzählen. Sie hatte zum Beispiel ein gutes Gehör. Wenn ein Mann bei uns an der Tür geklingelt hat, hat sie das irgendwie erkannt und war flugs in irgendeinem Schrank verschwunden. Und wenn mein Vater mit dem Auto die Straße einbog (also gaaaanz oben), dann saß sie sofort an de Tür. Wenn er ein neues Auto hatte, was ja nicht sooo oft vorkam, auch nur alle vier oder fünf Jahre, hat es kaum drei Tage gedauert, bis sie das neue Geräusch auch kannte :-)


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